Anfrage

In der Region Frankfurt (Oder)/Landkreis Oder-Spree gibt es angesichts der veröffentlichten Sulfatwerte im Trinkwasser Sorge um die Qualität der Wasserversorgung. Laut Prognosen der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH (FWA) könnte es in den nächsten Wochen und Monaten zur Überschreitung der Grenzwerte kommen. Diese wäre insbesondere für Kinder und Kleinkinder gesundheitsgefährdend.

Die FWA will daher ihr Wasserwerk in Müllrose reaktivieren, um die Entnahme sulfatbelastetes Wasser aus der Spree zu verringern. Voraussetzung dafür ist zum einen die Sanierung des Müllroser Wasserwerkes. Zum anderen muss eine neue Wasserleitung verlegt werden. Die Kosten dafür will die FWA aber nicht auf ihre Kunden umlegen. Sie fordert, dass die Verursacher der Sulfatbelastung, die eine direkte Folge des Braunkohleabbaus in der Lausitz ist, für die Kosten aufkommen. Dementsprechend sollen Vattenfall und der Bergbausanierer, die bundeseigene LMBV, zusammen 90 Prozent, das Land die restlichen 10 Prozent tragen.

Medienberichten zu Folge haben Vattenfall und das Land bereits ihre Beteiligung zugesagt. Die LMBV dagegen soll eine Mitfinanzierung an der Sanierung und Inbetriebnahme des Wasserwerkes Müllrose abgelehnt haben. Der Umweltminister hat angekündigt, ein weiteres Gutachten abwarten zu wollen, bevor er einschreitet. Diese weitere Verzögerung kostet wertvolle Zeit.

Ich frage die Landesregierung:

Wie will sie garantieren, dass es – auch ohne zeitnahe Reaktivierung des Wasserwerks in Müllrose – nicht zur gesundheitsgefährdenden Überschreitung der Sulfatgrenzwerte kommen wird?

Antwort

 

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Wilke, Sie haben die Sorge zum Ausdruck gebracht, dass durch eine nicht zeitnahe Reaktivierung des Wasserwerks Müllrose eine gesundheitsgefährdende Belastung des Trinkwassers im Raum Frankfurt (Oder) mit Sulfat zu befürchten ist. Die zulässigen Sulfatwerte sind in Deutschland gesetzlich geregelt.

Für Trinkwasser gilt laut der Trinkwasserverordnung ein Sulfatgrenzwert von 250 mg/l. In den Leitlinien zum Vollzug der §§ 9 und 10 der Trinkwasserverordnung wird der Grenzwert aus zwei Teilen zusammengesetzt: aus der sensorischen Wahrnehmbarkeit, also dem Geschmack, und der laxierenden, also abführenden Wirkung. In diesen Leitlinien wird für die Allgemeinbevölkerung ein sogenannter Maßnahmenhöchstwert von 1 000 mg/l genannt, bei dem auch über einen Zeitraum von 10 Jahren keine gesundheitliche Gefährdung zu befürchten ist.

Für Säuglinge und Kleinkinder bis zu zwei Jahren wird ein Maßnahmenhöchstwert von 500 mg/l genannt. Unabhängig davon erfolgt in Umsetzung des Minimierungsgebots der Trinkwasserverordnung länderübergreifend von Sachsen bis Berlin eine Sulfatsteuerung durch eine gezielte Mengenbewirtschaftung der Spree. Maßgebend dafür sind aktuell die Talsperren Quitzdorf, Bautzen und der Speicher Bärwalde auf sächsischem Gebiet sowie untergeordnet die Talsperre Spremberg auf brandenburgischem Gebiet. In den nächsten Jahren wird zusätzlich das Speichersystem Lohsa II hinzukommen.

Die Kernaufgabe der Steuerung besteht in der Einhaltung des gemeinsam zwischen den drei genannten Bundesländern abgestimmten Emissionsziels für den Pegel Spremberg-Wilhelmsthal von 450 mg/l Sulfat. Die detaillierten täglichen MonitoringErgebnisse wiesen nach, dass selbst eine kurzzeitige Überschreitung dieses Wertes zu keinem deutlichen Anstieg der Sulfatkonzentration im Spreeunterlauf führt. Auch unter den sehr ungünstigen meteorologischen Verhältnissen in den Jahren 2014 und 2015 aufgrund extrem geringer Abflüsse konnten die Sulfatkonzentrationen in der Spree so gesteuert werden, dass die Trinkwasserversorgung der Stadt Frankfurt (Oder) durch das Wasserwerk Briesen jederzeit sichergestellt werden konnte. Durch Messungen der Frankfurter Wasserbetriebe belegt, lagen und liegen die Sulfatkonzentrationen im Trinkwasser deutlich unter dem Grenzwert von 250 mg, meist im Bereich zwischen 160 und 180 mg. Legt man also die bisherigen Messwerte zugrunde, ist auch ohne zeitnahe Reaktivierung des Wasserwerks Müllrose ein Anstieg der Sulfatwerte im Trinkwasser nicht zu befürchten.

Gleichwohl ist es so, dass wir in dieser Gesamtdebatte die Entwicklung sehr genau verfolgen und uns auch gemeinsam mit Berlin noch weitere Untersuchungen vorgenommen haben, über deren Ergebnisse wir informieren werden. – Dankeschön.

 

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