23062015_1Morgen werden wir im Landtagsausschuss für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen über die Situation in Call Centern sprechen. Heute war ich dazu in der Landespressekonferenz und habe unsere Position erklärt. Gerade für Frankfurt ein ganz wichtiges Thema! Hier das vollständige Statement:

Der Frankfurter Landtagsabgeordnete, René Wilke, hat in den vergangenen Wochen unter anderem an einer „Call Center – Konferenz“ der Viadrina School of Management in Slubice und einer Betriebsversammlung mit 400 Beschäftigten von Walter Services in Frankfurt (Oder) teilgenommen. Daraufhin hat er eine Befassung des Landtagsausschusses für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen mit dem Thema „Arbeitsbedingungen in Call Centern“ angestoßen. Am morgigen Mittwoch, den 24.06.15 kommt es zu einer ersten Behandlung anhand einer Studie der Viadrina School of Management.

Der Grundsatz „Gute Arbeit“ muss für alle Beschäftigten im Land gelten, unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität, Bildungsgrad, Branche etc. Wir setzen uns gemeinsam mit Gewerkschaften dafür ein. Dazu erklärt René Wilke, Sozialpolitischer Sprecher der Fraktion:

Call Center – vom Preiskampf zum Kampf um „Gute Arbeit“

Jeder zehnte Call Center-Beschäftigte der Region Berlin-Brandenburg arbeitet in Frankfurt (Oder). Damit gehören Call Center zu den wichtigsten Arbeitgebern in Frankfurt. Ohne Call Center hätte die Stadt an der Oder rund 2000 Arbeitslose mehr. Während anderswo viele Stellen in der Call Center-Branche unbesetzt bleiben, hat sich die Situation in Frankfurt stabilisiert. Die Branche insgesamt hat sich gewandelt von reinen Verkaufscentern zu Servicecentern mit stark wachsenden Anforderungen an die Mitarbeiter. Fast 20.000 Beschäftigte arbeiten brandenburgweit in rund 130 Call Centern.

Trotz Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes hat sich das Lohnniveau durch gleichzeitiges Streichen von Boni und Zusatzzahlungen jedoch nur unwesentlich verbessert. Mit rund 21.000 Euro Jahresverdienst liegt Brandenburg im Bundesvergleich nach wie vor im unteren Mittelfeld. Die Arbeitsbedingungen insgesamt sind teilweise noch sehr weit von „Guter Arbeit“ entfernt. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beklagen neben niedrigem Lohn, Schichtdienst, hohen Druck, hohe Arbeitsintensität, steigende Arbeitsanforderungen und schlechte Arbeitsbedingungen, was in der gesamten Branche zu Unzufriedenheit und dem höchsten Krankenstand (30,2 Fehltage pro Jahr im Vergleich zu 20,5 Fehltagen aller Branchen) führt. Nur 0,8% der Call Center-Beschäftigten geben laut eine Umfrage von Ver.di an mit ihrem Verdienst zufrieden zu sein. 91% empfinden ihre Situation als „belastend“ oder „sehr belastend“.

Der Wettbewerb um Arbeitskräfte wird zunehmend durch Arbeitsqualität und andere Jobalternativen entschieden. Hohe Fluktuationen der Arbeitskräfte ist eine der Folgen. Das setzt auch Arbeitgeber zunehmend unter Druck. Erste Arbeitgeber in der Call Center-Branche haben deshalb reagiert und sind bemüht einen Imagewechsel zu vollziehen. Denn von „Guter Arbeit“ profitieren nicht nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sondern „Gute Arbeit“ ist auch ein Standorts- und Wettbewerbsvorteil. Unser Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Call Center-Branche zu verbessern. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel vom Preiskampf hin zum Kampf um bestmögliche Qualität. Gütesiegel, Zertifizierungen, eine weitere Anpassung der Förderpolitik an Arbeitsbedingungen und allem voran ein Branchentarifvertrag wären mögliche Instrumente. Die morgige Befassung im Ausschuss für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen des Landtages sollte der Startpunkt für eine intensive Debatte und zügige Entscheidungsfindung für die besten Lösungen sein.