IMG_3799 IMG_3801 IMG_3800Was für ein nachhallender Tag…Auf der einen Seite tolle, hoffnungsvolle Termine, wie die Beratung mit SozialpolitikerInnen und Verantwortlichen aus der sozialen Arbeit der Stadt.
Dann aber auch die Bürgerversammlung zur zukünftigen Unterbringung von Geflüchteten im Stadtteil West…mit Wortbeiträgen, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Der Saal versank bei Vorurteilen, Stigmatisierungen und Hetze in jubelndem Applaus.
51.000.000 (51 Mio.!) Menschen flüchten derzeit aus Kriegs- und Krisengebieten. Sie suchen Schutz und Sicherheit vor Hunger, Tod und Verfolgung. Deutschland nimmt 200.000 dieser Menschen auf. Das sind 0,4%. Brandenburg nimmt 6.000 auf. Das sind 0,012%. Frankfurt (Oder) nimmt derzeit ca. 600 Geflüchtete auf. Das sind 0,000012%. Und das soll uns überfordern? Das soll eine Belastung sein? Das soll eine Gefahr sein für unser Gemeinwesen, für Wohlstand und Sicherheit? Den Charakter von Stadtteilen verändern? Das also überfüllt einen Saal mit Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Menschen, die sich Abends in ihre warme Wanne legen können, die Weihnachten feiern werden, den nächsten Shopping-Ausflug planen und den nächsten Urlaub buchen. Dann aber in solchen Versammlungen jubeln wenn gesagt wird, dass im Asylbewerberheim „das Licht zu lange brennt“ oder „die Fenster zu lange offen gelassen werden“…“es sei ja unser Strom“…lachen, wenn die Traumatisierungen beschrieben werden…
Wenn man sich fragt, wie die Ausgrenzung und der Faschismus vor dem zweiten Weltkrieg möglich sein konnte, hatte heute die Chance zu erleben, auf welch fruchtbaren Boden solches Gedankengut fällt.
Fragt sich nur wer die größere Gefahr ist: 600 Geflüchtete oder all jene, für die Humanismus wohl eine seltsam-fremde Speise aus dem afrikanischen Raum sein muss.